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Teilbereiche:
Struktur und Prozeß, Vergleichende Politikwissenschaft,
Internationale Politik
Termin der
Einführungsveranstaltung: voraussichtlich Freitag, 12. Mai 2006,
9-13 Uhr
Einführung:
Nepal und Bhutan
sind die beiden letzten verbliebenen Monarchien in der
Himalayaregion. Die nepalische Monarchie basiert auf
hindupolitischen Traditionen. Die heutige Shah-Dynastie kam mit
der militärischen Unterwerfung zahlreicher Kleinstaaten und
ethnischer Gebiete in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an
die Macht. Die Monarchie in Bhutan orientiert sich am Buddhismus.
Sie wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den Grundlagen
eines theokratischen Staates geschaffen.
Beide Staaten
konnten sich in den letzten Jahrzehnten dem Eindringen
demokratischen Gedankenguts nicht entziehen. Auch hier hat Nepal
einen zeitlichen Vorsprung. Exilnepalis kamen in Indien bereits in
den 1930er und 1940er Jahren in Kontakt zu politischen Parteien.
Nach dem Abzug der britischen Kolonialmacht und der Geburt des
demokratischen Indien wurde auch Nepal innerhalb kürzester Zeit
von der Idee der Demokratie heimgesucht. Die von der Shah-Dynastie
eingeführten hierarchischen Feudalstrukturen haben sich aber bis
in die heutigen Tage hinein gehalten und verhinderten die
Durchsetzung der Demokratie. Die letzten 55 Jahre wurden so zur
Schaubühne der Auseinandersetzung zwischen demokratischen
Kräften, die sich schwertaten, sich von ihrer eigenen
gesellschaftshierarchischen Denkweise zu lösen, und konservativen
Kräften, deren Idealbild die Hindumonarchie ist.
Bhutan hat es
wesentlich länger geschafft, sich gegenüber der Außenwelt
abzuschirmen. Der Gedanke der Demokratie schappte nicht von Indien
aus über, da die Zahl dort lebender Exilbhutaner relativ gering
war. Erste vorsichtige Forderungen nach Demokratie in den 1950er
Jahren gingen daher eher von nepalstämmiger bhutanischer
Bevölkerung aus, doch blieb es in den folgenden Jahrzehnten bei
einigen weniger tiefschürfenden Ansätzen. Die nepalische
Demokratiebewegung von 1990 griff dann erneut auf die inzwischen
sehr zahlreich gewordene nepalstämmige Bevölkerung Bhutans
über. Diesmal wehrte sich die bhutanische Monarchie mit einer
Massenvertreibung der nepalstämmigen Lhotshampas Südbhutans.
Eine ernsthafte Demokratisierungsbemühung erfolgte erst in den
letzten Jahren. Sie ging bezeichnenderweise von der Monarchie
selbst aus, die offensichtlich im Gegensatz zur nepalischen
Monarchie begriffen hat, daß absolutistische Regime auch im
Himalaya nicht mehr zeitgemäß sind.
Das Seminar
vermittelt einen Überblick über die wichtigsten Etappen und Akteure
(Monarchen, Parteien, Politiker, zivile Gesellschaft), Prozesse
(Wahlen, Gesetzgebung, intra- und außerparlamentarische
Opposition) und Strukturen (Verfassung, parlamentarisches System,
lokale Ebene). Außerdem werden für das Verständnis wichtige
Bereiche (Multiethnizität, regionale Unterschiede, mangelnde
Inklusion, außenpolitische Einwirkungen) besonders angesprochen. Der maoistische
Aufstand in Nepal, der zunehmend zu einem regionalen Konflikt
auszuarten droht, verdient ebenso besondere Beachtung wie die
jüngsten machtpolitischen Aktivitäten König Gyanendras, die
Nepal an den Rand des völligen Zusammenbruchs geführt haben. Angesichts der erst jungen
Demokratisierungstendenzen Bhutans wird der Schwerpunkt des
Seminars auf Nepal liegen.
Das Seminar wird
als Blockseminar durchgeführt. Die Teilnahme an den Sitzungen ist verbindlich; die
Termine werden vorab festgelegt. Für den Scheinerwerb sind wie üblich eine
regelmäßige und aktive Teilnahme am Seminar, das Halten eines
Kurzreferats (15-20 Minuten; Thesenblatt) und die Anfertigung einer Hausarbeit
(12-15 Seiten; Abgabefrist bis
Beginn des nachfolgenden Wintersemesters) erforderlich.
Herr Krämer ist
unabhängig von den Sitzungen jederzeit per E-mail (khk.sai@nepalresearch.org)
und tagsüber auch telefonisch (02241-242-2260) erreichbar. Weitere
Informationen und Materialen werden zu gegebener Zeit über diese
Internetseite zur Verfügung gestellt.
Es sei bereits
jetzt auf die Unterseiten zur einführenden
Literatur sowie zu Materialien
hingewiesen; siehe auch http://nepalresearch.org
(Internetseite von K.-H. Krämer mit zahlreichen Links und
Hintergrundinformationen) sowie Links zu weiteren Internetinformationen.
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